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Geschichte und Erinnerung in Niedersachsen und Bremen – 75 Erinnerungsorte

Die Bundesländer Niedersachsen und Bremen wurden im November 2021 und im Januar 2022 vor jeweils 75 Jahren gegründet. Diese Jubiläen waren für die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen der Anlaß, ihren Stifterländern einen Sammelband zu schenken, in dem 75 regionale, gesamtniedersächsisch-bremische, nationale und europäische „Erinnerungsorte“ vorgestellt werden. Am Anfang dieses Vorhaben stand eine Initiative des Arbeitskreises Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission aus dem Jahr 2015. Auf der Basis von Umfragen und Arbeitstagungen wurde eine erste Auswahl von Erinnerungsorten zusammengestellt. Anlässlich der anstehenden Landesjubiläen hat eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Kommission das Projekt rechtzeitig zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.

„Erinnerungsorte“ werden schon seit einigen Jahrzehnten in der Geschichtswissenschaft diskutiert und beschrieben, seitdem Pierre Nora erstmals französische Erinnerungsorte, die „lieux de mémoire“, in den 1980er Jahren in einem mehrbändigen Werk präsentierte. Im hier neu vorgelegten Sammelband werden Erinnerungsorte als Kristallisationspunkte der Vergangenheit verstanden, die eine symbolische Bedeutung angenommen haben oder identitätsstiftend wirken. Da alles Erinnerungsort sein oder werden kann, was im Prozess des aktiven, dynamischen und pluralen Umgangs mit Vergangenheit und der Verortung in der Gegenwart Eingang in ein kollektives Erinnern gefunden hat, werden nicht nur Örtlichkeiten, sondern auch Personen, Gebräuche, Kunstwerke oder Ideen als solche beschrieben.

Eine besondere Herausforderung stellte die Auswahl der im Band zu behandelnden Erinnerungsorte dar. Wegen des Jubiläums wurde die Auswahl auf 75 Erinnerungsorte begrenzt und damit konnte das Potenzial der Region bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Bei der Auswahl wurden die Umfrageergebnisse unter den Mitgliedern der Historischen Kommission unter dem Aspekt berücksichtigt, dass möglichst viele Regionen und eine angemessene zeitliche und inhaltliche Streuung der Erinnerungsorte gegeben sein sollte. Diese Liste kann aber weder zeitlich noch räumlich oder thematisch als abgeschlossen betrachtet werden. Ziel war zunächst, eine Reihe von Erinnerungsorten zusammenzustellen, die geeignet sind, wesentliche Merkmale oder Eigenheiten der niedersächsisch-bremischen Landesgeschichte paradigmatisch abzubilden.

Die in diesem Band präsentierten Erinnerungsorte haben durchaus Bezugspunkte, die bis zur Varusschlacht zurückreichen. Die weitere Anordnung ist im weitesten Sinne als chronologisch zu betrachten. Die Erinnerungsorte des Upstalsbooms in Rahe oder des Bremer Rolands zeigen dabei zu unterschiedlichen Zeiten sehr verschiedene, durchaus auch politischen Zielen dienende Formen des Erinnerns. Etliche Erinnerungsorte wie die Große Kirche in Emden, Maria von Jever oder die Schaumburger Trachten können sicherlich nur eine regional begrenzte Wirkung entfalten. Eine größere Zahl von Erinnerungsorten zu den Verbrechen der Nationalsozialisten wie z.B. Bergen-Belsen, Bunker Valentin Bremen oder die Alte Pathologie Wehnen werden angeführt. „Kalte“ Erinnerungsorte wie die „Konsumgenossenschaft Hannover“ zeigen, dass Erinnerung in Konjunkturen verläuft, und die Artikel zu „Benno Ohnesorg“, „Roter Punkt“, „Lager Friedland“ zeigen, dass bereits eine Traditionserzählung der Länder Niedersachsen und Bremen existiert.

Ostfriesland ist in diesem Band mit drei Erinnerungsorten vertreten: „Der Upstalsboom bei Aurich“, „Die Große Kirche Emdens“ und der „Ostfriesenwitz“. Diese Auswahl kann nicht zufrieden stellen, aber wie sollte das Buch jeder Region, jeder Epoche und jedem Thema gerecht werden können? Die Ostfriesen werden das Großsteingrab in Tannenhausen, die Krypta in Leer, Steinhäuser, Häuptlinge, die Teekultur und vieles mehr vermissen. Vielleicht tröstet es, dass das Emsland auf einen Artikel zum Jagdschloss Clemenswerth oder Goslar zur Kaiserpfalz verzichten musste.

Das Projekt soll aber mit der Auswahl dieser Festgabe nicht abgeschlossen sein. Die Historische Kommission wird in gewissem zeitlichem Abstand zur Buchveröffentlichung die Beiträge des Bandes auf ihrer Internetseite präsentieren und zugleich die Möglichkeit eröffnen, diese durch weitere Erinnerungsorte aus Bremen und Niedersachsen zu ergänzen. Spätestens dann ergibt sich auch die Möglichkeit, ostfriesische Erinnerungsorte angemessen zu präsentieren.

Das Buch ist im Wallstein Verlag erschienen und für 39 € im Buchhandel erhältlich.

(Red. M.H.)


Quelle: https://ostfrhist.hypotheses.org/318

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